Herzlich Willkommen bei PULS
Oberbürgermeister
Thomas Geisel
 


"Das Jugendzentrum PULS bietet dank attraktiver Angebote und eines engagierten Teams eine bewährte und feste Anlaufstelle für lesbische und schwule Jugendliche in Düsseldorf. Die Einrichtung wird ausgesprochen gut angenommen und ist eben nicht nur Rückzugsraum, sondern auch Ausgangspunkt für zahlreiche gemeinsame Aktivitäten in Düsseldorf und der Region.

Ich halte es für wichtig, dass wir in Düsseldorf das Jugendzentrum PULS haben und als Stadt dessen beeindruckende Arbeit fördern. Das nützt den Jugendlichen und spricht für die tolerante Atmosphäre in Düsseldorf.“


Thomas Geisel

Freiheitsträume

Ich träume von Freiheit.

Stundenlang kann ich Fische beobachten, wie sie sich scheinbar logelöst von allen physikalischen Regeln in ihrem Element bewegen können. Ich beneide Katzen, die sich nicht für Gesetze und Tageszeiten interessieren, sondern einfach nur leben. Und bevor ich abends schlafen gehe, beobachte ich die Vögel am Himmel und stelle mir vor, wie es wäre zu fliegen.

Dann träum ich von Freiheit.

Auf starken Schwingen segel ich durch die Luft und lasse mich von den Winden tragen. Ich spüre wie die Sonne mein königliches Gefieder wärmt und fliege noch ein Stück höher, um die Wolken berühren zu können. Mit angelegten Flügeln durchstoße ich weiße Wolkenschwaden und beobachte, wie der Boden mir immer näher kommt. Im letzten Moment breite ich meine Flügel wieder aus und gleite sanft dahin, bis sich das riesige blaue Meer unter mir ausbreitet. Die Wellen glitzern in der goldenen Sonne und die Luft schmeckt salzig.

Ich schließe für einen Moment die Augen, um die Freiheit zu genießen und als ich sie wieder öffne, bin ich ins Wasser getaucht und schwimme anmutig zwischen Korallen und Seegrass dahin. Ein Schwarm bunter, flinker Fisch huscht zwischen der atemberaubend schönen Pflanzenwelt der Riffe umher und eine grüne Schildkröte kreuzt mit gemächlichen Bewegungen und einer unendlichen Ruhe meinen Weg. Ich tauche noch etwas tiefer und spüre, wie die weichen Wasserpflanzen meine glatte, schimmernde Haihaut streiften. Eine purpurrote Krabbe droht mir mit ihren scharfen Scheren. Ich schwimm wieder höher und über den bunten Teppich der Meere hinweg.

Langsam verschwinden die Korallen und die Fische und ich befinde mich im offenen Meer. Unendliche Weiten breiten sich vor mir aus. Ich fang an schneller zu schwimmen. Ich schwimme halsbrecherische Kurven. Ich drehe mich immer schneller und schwimme dann wieder gerade aus. Ein unersättliches Vergnügen breitet sich in meinem Kopf aus und entlockt meiner Kehle ein delfinisches Lachen.

Ich schwimme steil nach oben und schieße wie ein Torpedo wieder nach unten. Ich schwimme seitwärts, ich schwimme rückwärts, ich drehe Loopings, schwimme auf dem Rücken und lache abermals ausgelassen. In der Ferne sehe ich einen riesigen Wal. Ein wahrer Koloss, die sich ohne jede Eile durchs Wasser pflügt. Ich lache ihm zu und er antwortet mir mit seinem unvergesslichen Walgesang, der unvergleichlich im Wasser wiederhallt. Der Gesang der Wale kommt mir vor wie ein Zauberklang der Meere. Ich schwimme auf ihn zu und springe dabei immer wieder übermütig in die Lüfte. Der Wal lässt sich von meiner Ausgelassenheit anstecken und schwimmt ein wenig schneller. Schließlich wuchtet er seinen gewaltigen, aber doch so faszinierenden Körper aus dem Wasser und dreht sich in der Luft. Ein atemberaubender Anblick. Als er wieder auf der Wasseroberfläche aufkommt, spritzt die Gicht in alle Richtungen. Dann stimmt er wieder seinen Walgesang an und ich lache fröhlich dazu.

Mein Lachen verändert sich dabei nach und nach zu dem munteren Pfeifen einer Robbe. Meine kräftige Schwanzflosse treibt mich voran und mein rundlicher Körper gleitet mühelos durchs Wasser. Vor mir kann ich Felsen erkennen, das Wasser wird flacher und um mich herum wimmelt es nur so von vielen kleinen Fischen. Wndig wie kein anderes tier umkreise ich die Felsen. Nur einmal tauche ich kurz auf um ein wenig Luft zu holen und dann tauche ich wiedr ab, in das kühle, salzige Wasser. Nun wird das Wasser zu flach zum schwimmen und ich halte meinen Kopf über die leichten Wellen hinweg in den Wind, der mein seidiges braunes Fell streichelt. Mühsam robbe ich mich voran, dem Strand entgegen. Dabei werde ich immer schneller und das Vorankommen wird von mal zu mal leichter.

Schließlich galoppiere ich mit fliegender Mähne am Strand entlang und wirbel mit meinen Hufen Sand und Wasser auf. Ich fühle mich frei und ungebändigt. Ich mache wilde Galoppsprünge, schlage übermütig aus und presche davon. Was für ein Gefühl! Der Wind in der Mähne, den Schweif stolz erhoben und getragen von wirbelnden Hufen, die keine Grenzen kennen. Ich teste alle Gangarten aus, steige wenn es mir gerade so passt und lasse mein freches Wiehern über das Meer hallen. Ich wage waghalsige Sprünge und lande mit den Hufen im Wasser, das von mal zu mal trüber wird.

Am Horizont taucht ein riesiger, dichter Wald auf und kommt übers Wasser immer näher, bis nur noch ein trüber, dunkler Fluss zwischen mir und dem Dschungel floss. Ich steige langsam ins Wasser und lasse mich flussabwärts treiben. Mit trügerischer Ruhe schwimme ich am Ufer entlang, während meine ledrige, grüne Haut ist in dem dunklen Wasser kaum zu sehen.

An einer flachen Stelle gehe ich an Land und schleiche auf weichen Tatzen durchs Unterholz. Meine empfindlichen Ohren nehmen sogar die ängstlichen Atemzüge eines jungen Rehs war. In weiten Sprüngen komme ich immer weiter in den Urwald hinein. Es ist dunkel hier unten am Boden, aber ich sehe genug, um nicht über Wurzeln zu stolpern, die manchmal meterhoch aus dem Boden ragen. Überall sind irgendwelche Farben. Der Urwald ist bunt und reich an Blumen und bunten Gräsern. Bei jedem Schritt schlagen mir Blätter ins Gesicht.

Nach und nach wird der Wald so dicht, dass ich mich immer tiefer unter das dichte Gestrüpp ducken muss um weiter zu kommen, bis ich schließlich ganz am Boden entlang schlängel. Mit meiner gespaltenen Zunge koste ich die Luft und schmecke pure Freiheit. Der Duft der Freiheit durchströmt mich und lässt mich wachsen, bis mir meine Hau zu eng wird. Ich streife sie einfach und richte mich hoch auf. Dann stoße ich mich kräftig vom Boden ab und hangel mich mit langen Armen durch die Bäume, immer höher und höher. Und je höher ich komme, desto mehr weicht die beruhigende, geheimnisvolle Dunkelheit und macht Platz für glitzernde Sonnenstrahlen, die die Blätter leuchten lassen.

Ich setze mich auf einen sehr hoch gelegenen Ast eines Baumriesen und vor mir breitet sich ein riesiges grünes Meer aus.

Ein leichter Wind weht und lässt mein Fell mit dem dichten buschigen Schwanz tanzen. Mit einem Satz springe ich auf einen Ast des nächsten Baumes hinüber und schlage meine kleinen Krallen in die Rinde um nicht zu fallen. Dann laufe ich senkrecht am Stamm entlang und springe hinüber zum nächsten Baum. Immer übermütiger springe ich von Ast zu Ast, genieße das kribbeln im Magen während des Fluges.

Das Blattwerk wird lichter, die Bäume kleiner, die Blätter wandeln sich zu Nadeln. Schneeflocken fallen. Es wird kälter, aber ich friere nicht. Flink klettere ich den Baum hinunter auf den Boden und stapfe zu Fuß weiter. Der Schnee wird immer tiefer. Mit einer weichen Eisbärenpfote wirbel ich den Schnee auf, lasse ihn leicht auf meine Nase rieseln und wälze mich drin. Was für ein Spaß! Ich renne so schnell ich kann durch das kühle weiß. In der glitzernden Schneedecke hinterlasse ich Spuren der Freiheit. Ich tolle durch den Schnee und erfreue mich an den leichten Flocken die vom Himmel fallen. Das Schneetreiben wird immer stärker, ich sehe nichts mehr als glitzerndes weiß. Es sieht wunderschön aus.

Doch das schöne weiße wird langsam trüber, Schatte legen sich drüber. Das Licht verändert sich. Ich fühle mich auf einmal nicht mehr frei. Ich fühle mich gefangen zwischen Wänden, erdrückt unter Regeln, ermattet von physikalischen Grenzen. Ich merke, dass ich nicht mehr schlafe. Ich habe die Augen offen und starre an die Decke. Mit einem sehnsüchigen Seufzen frage ich mich, wann ich endlich frei sein werde. In der nächsten Nacht, so lautet die Antwort, wenn ich wieder Träume.

Jenni, 17

Family-and Friends-Day im PULS

Der Family- and Friends-Day war ein voller Erfolg.  Aber mal von Anfang an : 

Erst standen wir unschlüssig vor der Tür, doch letztendlich zogen wir uns gegenseitig rein.

Wir – das waren eine Freundin von mir, Denise – und meine  Mama und ich.

Meine Mutter fühlte sich anfangs glaub ich etwas fehl am Platz , denn wir waren die ersten.

Mit jeden 10 Minuten kamen mehr Leute,   Freunde  und Freundinnen  aus dem PULS mit ihren Verwandte n  und/oder Freund Innen.

Es wurde auch stimmungsmäßig immer besser. Es wurde viel gelacht, geredet und einfach Spaß  gehabt.

Die Eltern oder anderen Verwandten haben gesehen wie viel Spaß wir PULSiander/innen dort haben und wie gut wir dort aufgehoben sind.

Vor allen Dingen haben wir selbst eine Menge Spaß gehabt mit den anderen und uns.

Man kann nur sagen… Ein PERFEKTER Tag!

Sophie, 14 Jahre

Meine erste Begegnung mit den Pulsianern werde ich nie vergessen...


Es war Sommer und ich war mit meinem besten Freund zum Sonne tanken am Rhein verabredet.
Wir wussten nicht, dass an dem Wochenende CSD in Düsseldorf ist und hatten keine Ahnung was der Tag mit sich bringen würde.
Tibor und ich schlenderten also an den Rheinwiesen entlang, als ich plötzlich die Regenbogenflagge auf der anderen Seite des Rheins entdeckte.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir nicht sichmiter war, ob es wirklich DIE Regenbogenflagge ist, aber ich wusste, dass wir unbedingt „ans andere Ufer“ mussten.
Normalerweise braucht man für die Strecke knapp 30 Minuten, aber ich war so begeistert endlich viele, viele Gleichgesinnte zu treffen, dass wir es innerhalb von zehn Minuten über die Rheinkniebrücke schafften.
Mitten im Homoparadies angekommen, schlenderten wir also über den Platz, an den verschiedenen Ständen vorbei, bis wir an einem Zelt ankamen, das unser Interesse weckte. „PULS“...
Von rechts und links kamen Mädchen und Jungen, die scheinbar alle zu diesem magischen Zelt gehörten. Sie hatten Spaß, unterhielten sich und man hatte das Gefühl, dass das hier alles richtig ist. Ein paar der Jugendlichen liefen mit grünen Wasserpistolen um das Zelt, bespritzten sich mit dem kühlen Nass und genossen das Wetter und die Gegebenheiten des Christopher Street Days. Nachdem ich Tibor einen Aufkleber mit der Aufschrift „Meine beste Freundin ist eine Lesbe“ auf die Brust geklebt hatte, machten wir uns auf den Weg zur Wiese, die direkt hinter dem Puls-Zelt lag, um wie verabredet Sonne zu tanken. Kurz nachdem wir es uns auf der Decke bequem gemacht hatten, fiel mir ein, dass es ja sein könnte, dass am nächsten Tag (ein Sonntag) immer noch CSD sein könnte, also sprang ich auf, rannte Barfuß zurück zum Puls-Zelt und fragte Maike, meine erste Puls-Bekanntschaft, wie die Planungen für den nächsten Tag aussehen. Sie schlug vor, dass ich am Sonntag Nachmitta!
 g zusammen mit der Puls-Truppe in der Parade laufen sollte. Glücklich und begeistert von den tollen „grünen“ Menschen machte ich mich schnellen Schrittes auf den Weg zur Decke um Tibor von Maikes Vorschlag zu erzählen. Ich bemerkte allerdings nicht, dass ich „barfuß und glücklich“ wie ich war, durch ein Meer von Scherben lief. Erst auf der Decke fiel mir auf, dass ich eine ziemlich deutliche Spur hinterlassen hatte.
Nachdem ich mir eine der Scherben aus dem Fuß gezogen hatte, machte ich mich BARFUß (ich lerne es nie) auf den Weg zurück zum Puls-Zelt, wo ich nach einem Taschentuch fragte. Ich glaube aber, dass ich die Situation unterschätzt hatte, denn anstatt mir ein Taschentuch zu geben,  riss Maike nur die Augen auf und rief sofort nach „meiner mittlerweile  wundervollen Rockzipfel“ Jana.
Ich wusste bis dahin noch nicht wer Jana war, aber sie hat mich sofort wie selbstverständlich in Empfang genommen und mich zu den „bösen bösen“ Krankenwagen-Menschen gebracht, die mich versorgt haben. Ich glaube sie hat gemerkt, dass ich ziemliche Angst hatte, denn sie ist die ganze Zeit bei mir geblieben und hat mich abgelenkt.
Schnell stand fest, dass ich am nächsten Tag nun wirklich bei der Parade als Pulsianer mitlaufen würde und mir war sofort klar, dass ich, egal wie das mit meinem Fuß ausgeht, definitiv dabei bin.
Das Ende vom Lied war an dem Tag, dass ich ins Krankenhaus und mein Schnitt im Fuß geklebt werden musste, aber das hielt mich nicht davon ab, am nächsten Tag humpelnd, aber glücklich als aktiver Pulsianer an der Parade teilzunehmen.
Die Narbe habe ich immer noch und im Puls bin ich seitdem auch. Ich habe schon an extrem vielen Aktionen teilgenommen und ich möchte sagen, dass das Puls zu einem sehr wichtigen Teil meines Lebens geworden ist.

Ich liebe meine Pulsianer...  

Lotta, 23 Jahre

aufregend – angsteinflößend – stufenreich - erfinderisch – spaßig – 2010 – Neubeginn – interessant – erlösend –ABGEHAKT!

Die oben genannten Worte beschreiben meinen Weg zum „aktiven lesbisch sein“ recht gut… es fing alles damit an, dass ich die Schule gewechselt habe, nachdem ich mein Abi im ersten Anlauf nicht bekommen habe. Gut – die Tatsache, dass ich lesbisch sein könnte, schwirrte schon eine ganze Weile länger in meinem Kopf rum, doch es gab immer wieder Gerüchte und da ich sowieso nicht sooo den besten Kontakt zu meiner Stufe hatte, hatte ich auch nicht wirklich das Bedürfnis irgendwem davon zu erzählen, dass an den Gerüchten vielleicht etwas dran sein könnte. „Lasse redn“ , dachte ich mir da, frei nach den Ärzten J  Ich schweife ab. Zurück zum Schulwechsel – April 2010 auf dem Humboldt Gymnasium Düsseldorf!

Nachdem ich mich ein wenig eingelebt hatte und zumindest die meisten Räume alleine und im zeitlichen Rahmen finden konnte, fiel mir in den Pausen immer wieder ein Mädchen auf, was mich anscheinend recht genau begutachtete… Ich, nicht untätig beobachtete zurück und irgendwann schrieb sie mich an, ich hätte als Schule „St. Ursula Gymnasium“ bei Facebook stehen, aber sie hätte den Eindruck, mich mehrfach auf ihrer Schule bemerkt zu haben… sowas aber auch. Ich dachte schon ich hätte mir eingebildet, dass sie mich beobachtet.

„Verdammt, war es so auffällig?“ war ihre erste Frage, nachdem ich habe fallen lassen, dass mir durchaus nicht entgangen war, dass sie mich interessiert beobachtet hat – nach einiger Zeit war das erste Treffen vereinbart und dann fing es auch schon an. Heute für mich ganz alltägliche Dinge wie händchenhaltend mit meiner Freundin durch die Straßen Düsseldorfs laufen und den komischen Blicken (von denen es nicht allzu viele gibt) einfach selbstbewusst und mit einem Grinsen standzuhalten oder, noch schlimmer, sich in der Öffentlichkeit küssen waren der pure Horror für mich! Als sie meine Hand nahm, pochte mein Herz tierisch, was ehrlich gesagt, nicht wirklich an ihrer unglaublichen Erscheinung oder meinen unfassbaren Gefühlen für sie lag, sondern eher daran, dass ich Angst hatte, dass mich irgendjemand sehen könnte – ich hatte ja schließlich keinem was davon erzählt und natürlich liefen wir auch prompt jemandem aus meiner alten Stufe über den Weg…  Meinen Sommer hab ich mit ihr und ihren Freunden an den Rheintreppen verbracht und bald waren diese ganzen Sachen kein Problem mehr für mich. Das Problem war jetzt, dass ich dringend allen davon erzählen wollte, dass ich endlich wusste, was ich will.  Es waren zwar keine wirklichen Gefühle vorhanden, das war alles eher auf der Basis „es ist neu und interessant“, aber trotzdem wollte ich, dass ich mich nicht mehr verstecken muss… es konnte ja schließlich jeden Tag passieren, dass mir meine absolute Traumfrau über den Weg läuft und ich sie meinen Eltern vorstellen muss ;-)

Wenn ich heute jemandem erzähle, wem ich als allererstes meine sexuelle Orientierung „gebeichtet“ habe, guckt der-/diejenige mich mit fast hundertprozentiger Sicherheit völlig verständnislos und fragend an. „Die Exfreundin deines Bruders?!“ Ja. Sieben Jahre sind eine lange Zeit und ich hab sie immer als meine zweite große Schwester angesehen – das Verhältnis war super und ich hatte keine Angst, wie sie reagieren würde, also hab ich ihr in einem tränenreichen Gespräch, in dem wirklich alle Belastung von mir abgefallen ist, erzählt, dass ich gemerkt habe, dass ich doch eher an Frauen interessiert bin, als an Männern und zakk – abgehakt J Sie reagierte total cool und hat mir wirklich sehr geholfen, indem sie einfach zugehört hat und mir außerdem noch versprochen hat, dass sie meinem Bruder das irgendwie steckt… Ich hab zwar ein total gutes Verhältnis zu meinem Bruder, allerdings war ich mir trotzdem unsicher, wie er reagieren würde… also  - gesagt, getan – sie hat sich zum Kaffee mit ihm getroffen und ihm davon berichtet, er hat das ganz locker gesehen und zakk – abgehakt J

Ganz ohne Hilfe konnte ich das dann auch bei meinen Eltern nicht und so standen wir irgendwann im Garten und auf meine Aussage: „Ich wollt euch was sagen… ich steh auf Frauen“ meinte Mama nur ganz cool –„Ja… hab ich mir gedacht!“ und zakk – abgehakt J

Meiner Schwester habens meine Eltern dann erzählt, weil ich ihr das nicht übers Telefon sagen wollte und sie eh am nächsten Wochenende da waren – auch kein Problem! Gestärkt von diesen, durchweg positiven, Reaktionen folgte nun noch das, wovor ich insgeheim am meisten Angst hatte, obwohl ich mir wirklich sicher war, dass dieses Outing keine Probleme geben würde... ganz seltsam war das.

Meine beste Freundin – telepathische Anfälle, Insiderwissen ohne Ende, Lachanfälle, die einzige wirkliche Freundin in der alten Stufe… und aufgrund der neuen Tatsache meines Lebens irgendwie extreme Verlustängste. Ich hab sie angerufen und meinte, dass ich ihr beim nächsten Treffen mal was sagen müsste… als wir dann bei ihr im Garten lagen, fragte sie auf einmal ganz nebenbei: „Du wolltest mir doch irgendwas erzählen?!“ ich war nur baff, weil der Zeitpunkt, an dem sie mit ihrem Kopf auf meinem nackten Bauch lag vielleicht nicht der bestpassendste war um ihr zu erzählen, dass ich lesbisch bin, aber gut, da konnte ich mich nun auch nicht mehr rauswinden – ihre Reaktion war die coolste überhaupt: „ Und, ist das jetzt weltbewegend neu für dich?“  - das war alles. Nichts weiter. Ich war wirklich ein bisschen sprachlos und dann wurde ich ausgequetscht… - zakk, abgehakt ;-)

Als ich dann im Oktober das erste Mal im PULS war, hatte ich zwar vorher noch einigen Respekt davor in dieses, doch extra für Mädels wie mich gemachte, aber dennoch irgendwie angsteinflößende Jugendzentrum zu gehen, aber ich hab mich getraut und es war echt ne gute Entscheidung! Die Mädels waren sofort alle total nett und Jana, ein purer Sonnenschein, zeigte mir begeistert die neuen Räume – alles war noch ganz neu, ich bin nur wenige Wochen vor der Einweihungsparty dazu gestoßen! Ich habe mich sofort aufgenommen gefühlt und direkt der erste Abend startete mit einer großen Tafel an der Salat verspeist wurde(nur Salat, weil der Herd noch nicht angeschlossen war :D ) und diese pulsierende kleine, große Familienleben, was ich immer noch so sehr schätze hatte mich in seinen Bann gezogen. Auf Janas Frage, ob ich denn wiederkommen würde, antworte ich seitdem mit möglichst regelmäßigem Erscheinen J Als ich meine Mama irgendwann fragte, ob sie sich denn das PULS vielleicht mal anschauen will, war sie hellauf begeistert und drei Tage später standen wir vor Jana, die glaub ich recht angetan davon war, dass meine Mutter so interessiert war – Mamas Kommentar zum PULS gegenüber Jana sagt glaub ich alles: „Jetzt weiß ich auch, warum Aline hier so unglaublich gerne hingeht!“

In meinem sozialen Umfeld wurde es auch immer offener, dass ich lesbisch bin und ich hatte keinerlei Probleme damit, auch wenn die Gerüchteküche in der neuen Stufe sogar soweit reichte, dass ich dieses Jahr in der Abizeitung mit einer Stufenkollegin mit der ich sehr gut befreundet bin auf Platz 3 der Wunschpaare gewählt wurde :D Wir können drüber lachen, deshalb ist das alles okay!

Seit meinen ersten Schritten in Hinsicht Outing ist eine Menge Zeit vergangen und ich bin froh, dass das alles so wunderbar geklappt hat und meine Eltern, als ich ihnen nun endlich meine wundervolle Freundin vorstellen konnte, völlig entspannt reagiert haben und mein Papa nur fragte: „Was für Brötchen wollt ihr morgen haben?“ - was soll ich dazu noch sagen?

ABGEHAKT Lächelnd

Tage im PULS

Es ist kurz vor vier am Montagnachmittag. Ich sitze in der Schule und warte darauf, dass mein Lehrer endlich den Unterricht beendet. Wenn sich mein Philolehrer, dann davon abbringen kann uns den Sinn des Lebens näher bringen zu wollen, stehe ich auf und fahre schnell nach Hause. Vorher verabschiede ich mich von meiner besten Freundin. Sie grinst, sie weiß Bescheid. Es ist Montag, ich frag also gar nicht erst, was du heute machst, sagt sie und wünscht mir viel Spaß.

Zu hause teile ich meiner Mutter, wie eigentlich fast jeden Montag (und so manchen Donnerstag) mit, dass ich gleich wieder weg bin. Wie immer fragt sie mich wo ich hingehe und wie immer antworte ich brav: "Nach Düsseldorf ins Puls."

Seid über einem Jahr gehe ich nun schon ins Puls, das damals noch nicht so hieß, sondern den Namen von uns selbst bekommen hat. Am Anfang waren die Treffen auch noch nicht auf der Corneliusstraße sondern ersatzweise in anderen Räumen. Egal, an der Gemeinschaft und am normalen und ganz und gar positiv gemeinten "Pulswahnsinn" hat sich seitdem nichts verändert. Wir waren schon immer eine witzige, selbstbewusste und starke Truppe.

Jedenfalls zurück zu meinem typischen Montag. Nach etwa zwanzig Minuten mit der Bahn und einem kurzen Fußweg, stehe ich vor der Tür des Puls. Auch wenn ich jetzt schon so lange dort hingehe, habe ich jedes Mal wenn ich vor der Tür stehe kurz ein mulmiges Gefühl, genau wie wenn ich vom Drei-Meter-Brett springe, selbst wenn ich das zum tausendsten Mal mache. Aber das verfliegt sofort wenn ich reingehe. Ich werde von allen begrüßt und bin meistens erstmal fünf Minuten damit beschäftigt, alle zu umarmen. Ich lasse mich auf das gemütliche Sofa fallen, wir haben zwar auch Sitzsäcke, aber das Sofa finde ich doch eindeutig bequemer. Ich quatsche mit meinen Freundinnen über meinen Tag und ihren Tag und trinke Tee, während andere vorne Kicker spielen. Plötzlich geht die Tür auf und ein neues Mädchen kommt rein. Sofort wird sie von Jana freundlich begrüßt und herumgeführt, Jana zeigt ihr die Küche, in der wir nach Lust und Laune für die ganze Gruppe kochen (oder auch  nicht), ihr Büro und die zwei kleineren Räume. Sie erklärt, dass man auch Bücher ausleihen kann oder Spiele spielen. In der Tat kann man oder frau im Puls sehr viel machen. Aber das Schöne ist, dass nichts gemacht werden muss. Wenn ich und andere Lust haben ein Spiel zu spielen, spielen wir eben, wenn wir nicht wollen reden wir, wir können Filme schauen oder die Fotos vom letzten CSD. Wer keine Lust hat, spielt eben Kicker oder macht was anderes.

Wenn die Zeit im Puls vorbei ist, was meistens übrigens wie im Flug passiert, wird wieder zusammengeräumt, die offenen Rechnungen an der Theke, für Wasser oder Cola, werden bezahlt und alle Anwesenden werden zum Abschied umarmt.

Auf dem Weg nach Hause, lasse ich den Nachmittag noch mal Revue  passieren. Es war wie immer lustig und interessant und ich freue mich schon aufs nächste Mal.

Alina, 18 Jahre

CSD- Köln 2011: Mein erster CSD

Unter dem Motto „Liebe ist…“ zog am Sonntag, den 3. Juli, die Parade zum diesjährigen CSD durch die Kölner Innenstadt.  Dieses Jahr waren neben dem Kölner Jugendzentrum anyway und dem Bochumer Cafe Freiraum auch das neu gegründete Düsseldorfer Jugendzentrum Puls mit von der Partie.

Vor dem CSD war ich erst einmal im Puls gewesen und mir hatte es direkt auf Anhieb so gut gefallen, dass ich mich entschied mit zum CSD nach Köln zu kommen und in der Parade mitzulaufen. Für mich war das das erste Mal, dass ich auf einem CSD war und deshalb war ich besonders gespannt.

Es ist Sonntag, der 3. Juli. Mein Wecker klingelt. Etwas verwirrt schaue ich auf die Uhr. Dann fällt mir wieder ein warum ich heute so früh aufstehen muss und plötzlich fühle ich mich hellwach. Trotzdem bleibe ich noch ein bisschen mit offenen Augen liegen freue mich auf heute.  Dann stehe ich auf und stelle mich unter die Dusche. Meine Eltern und meine vier Geschwister schlafen noch.  Außer meiner Mutter hab ich niemandem erzählt, wo ich heute hingehe. Vielleicht hätte ich das tun sollen, denke ich jetzt. Ich habe ein schlechtes Gewissen und weiß gar nicht so richtig, warum.

 Als ich das Wasser ausstelle höre ich meine zehnjährige Schwester Johanna. Sie hüpft singend durch den Flur  und steckt den Kopf durch die Badezimmertür. Warum bist du schon wach, will sie wissen. Du bist doch auch schon wach, sage ich und weiß, dass das keine richtige Antwort ist, schließlich ist Johanna immer so früh wach, aber ich stehe normalerweise nicht Sonntags um halb acht auf um zu duschen. Aber Johanna fragt gar nicht weiter nach, sie ist schon wieder im Flur verschwunden. Ich steige aus der Dusche und wickele mich in mein großes Handtuch ein. Im Spiegel betrachte ich mein Gesicht. Warum erzähle ich ihr nicht einfach die Wahrheit? Ich kann selbst nicht so genau sagen wovor ich Angst habe. Johanna fände es sicher überhaupt nicht schlimm, wenn ich ihr erzählen würde, dass ich lesbisch bin. Ich glaube, sie würde gar nicht erst verstehen, warum jemand das überhaupt als Problem empfinden könnte. Aber bei Moritz, meinem ältesten Bruder, der nur ein Jahr jünger ist als ich, bin ich mir da gar nicht sicher. Wäre es ihm nicht peinlich? Ich will nicht, dass ich ihm vor seinen Freunden peinlich bin. Plötzlich merke ich, was für ein blöder Gedanke das ist. Moritz Freunde können mir nun wirklich egal sein. Ich finde es nicht peinlich. Und das ist schließlich das Wichtigste. Oder? Wenn irgendjemand in Problem damit hat, dann ist das nicht mein Fehler und dann soll er mich gefälligst in Ruhe lassen. Wütend starre ich in den Spiegel und mir fällt ein, dass ich mich mal ein bisschen beeilen sollte, wenn ich rechtzeitig in Düsseldorf sein will.

Am Frühstückstisch setzt sich Johanna zu mir. Sie rührt in ihrem Müsli mit viel zu viel Milch, klimpert mit dem Löffel und zählt dabei laut die Schokostückchen. Etwas zu laut fauche ich sie an sie soll damit aufhören, sie macht mich ganz nervös mit diesem Gezähle und ich bin sowieso schon aufgeregt. Sie mustert mich mit unschuldigem Blick. Warum hast du schlechte Laune? Wohin gehst du heute? Ich schaue sie an. Zögere einen kurzen Moment. Aber ich will sie nicht anlügen. Zum CSD nach Köln, sage ich.

 Zum CSD? Ich zucke zusammen. Moritz steht im Türrahmen. Na super, jetzt lässt es sich auch nicht mehr zurücknehmen. Was machte der auch hier, so früh morgens. Musst du dich so anschleichen, fauche ich ihn an. Heute läuft wirklich alles schief. Ich bin viel zu spät dran, Johanna kann nicht aufhören Fragen zu stellen und jetzt platzt auch noch Moritz einfach so hier rein und bekommt mit, was ich ihm eigentlich noch gar nicht erzählen wollte. Ich könnte natürlich sagen, ich ginge zum CSD mit einer Freundin.

 Hey, war doch nur ein Spaß, lacht Moritz. Da ist ja jemand besonders guter Laune heute. Aber ist der CSD nicht so ein Schwulentag? Mit wem gehst denn du dahin? Mit Leuten von so einem Düsseldorfer Jugendzentrum, antworte ich. Auf einmal rede ich ohne nachzudenken. Das ist ein schul- lesbisches Jugendzentrum. Ich verlieb mich nur in Mädchen, erkläre ich und wundere mich ein wenig über mich selbst.  Moritz schaue ich dabei aber direkt in die Augen. Er schaut zurück. Gespannt warte ich darauf, dass er etwas sagen wird, aber zuerst sagt er gar nichts. Er nimmt sich die Zeitung und setzt sich zu uns an den Tisch. Was ist, sage ich. Meine Stimme klingt ärgerlich, aber in Wirklichkeit bin ich nur unsicher. Jetzt blickt er auf. Er grinst mich fast etwas schüchtern an und sagt: Ich auch. Wie?, frage ich, ziemlich verwirrt. Ich verlieb mich auch nur in Mädchen. Wieder lächelt er. Na gut, sage ich ziemlich perplex. Ehe ich weiter darüber nachdenken kann, mischt sich Johanna ein. Ich find Mädchen auch viel netter als Jungen, sagt sie. Mit denen kann man viel mehr anfangen. Außerdem hauen sie einen nicht. Damit ist das Thema auch für sie erledigt. Sie widmet sich wieder ganz den Schokostückchen in ihrem Müsli. Und ich bin viel zu spät dran. Aber meine schlechte Laune ist wie verflogen. In diesem Augenblick kann mir nichts und niemand auf der Welt etwas anhaben. Als ich auf dem Fahrrad sitze und zur Bahnhaltestelle fahre, würde ich am liebsten laut singen, sodass die ganze Welt es hören kann. Ich bin verdammt stolz.

Etwas verspätet komme ich am Düsseldorfer Hauptbahnhof an. Das macht aber nichts, denn von Puls sind noch längst nicht alle da und unser Zug nach Köln geht erst in ein paar Minuten. Mir ist ein wenig mulmig zumute, aber das Gefühl verfliegt sofort wieder. Obwohl ich erst einmal im Jugendzentrum war, kenne ich schon viele von denen, die jetzt hier sind. Eine Zeitlang bin ch erstmal damit beschäftigt alle zu umarmen. Dann werde ich von einem zum anderen geschoben und vielen vorgestellt. Wie immer kann ich mir die ganzen Namen überhaupt nicht merken. Darin war ich schon immer unheimlich schlecht. Ich werde ausgelacht, weil ich immer wieder nachfragen muss.

Oh, du musst unbedingt Malik sehen, der kommt heute als Edina, teilt mir begeistert ein Mädchen mit. Sie steht neben mir und gestikuliert wild in eine Richtung. Wer ist Malik, frage ich zurück. Und wer Edina? Wirst du schon gleich sehen, sagt sie. Er will sich als Mädchen verkleiden und als Mädchen nennt er sich Edina. Malik kommt und ich staune über sein Kostüm.  Wie schafft er es nur auf solchen High- Heels zu laufen? Ich wäre schon dreimal hingefallen. Mindestens.

Ich sage zu dem Mädchen neben mir, dass ich ein bisschen traurig bin, kein grünes Puls- T-Shirt zu besitzen, so wie es viele von uns anhaben. Daraufhin bekomme ich direkt einen grünen Pulsbutton geschenkt, den ich mir am T- Shirt festmache.

In Köln am Bahnhof Deutz treffen wir die restlichen Pulsler. Die Stimmung ist super. Es werden Klatschpappen, Aufkleber und Schilder verteilt. Ich bekomme einen Haufen Flyer vom Puls in die Hand gedrückt mit der Anweisung, sie während der Parade zu verteilen. Einige von uns haben eine riesige Stoffplane bemalt in den Farben von Puls und mit unserem Logo. Die werden wir in der Parade vor uns hertragen. Wir warten auf Jana, unsere Leiterin. Als sie schließlich kommt, wird sie von allen stürmisch begrüßt und umarmt. Sie hat eine Tüte mitgebracht. Mit Puls-T-Shirts. Ich bekomme doch noch eins und es passt perfekt. Überall sieht man gut gelaunte Menschen, es wird getanzt, gesungen und gelacht und ich bin mittendrin, habe ein Puls- T-Shirt an und gehöre dazu.

Schließlich machen wir uns auf den Weg zur Deutzer Brücke um uns aufzustellen für die Parade.  Vor uns steht eine andere Gruppe Jugendlicher. Das sind die vom anyway, einem Kölner Jugendzentrum, wird mir erklärt. Das Bochumer Cafe Freiraum ist auch da. Der Wagen hinter uns spielt Musik und wir tanzen dazu. Überall sind Leute in unglaublich bunten Kostümen. Männer in Frauenkostümen und mit hohen Stöckelschuhen werden begleitet und geführt von ihren Freunden. Man sieht Familien, schwule, lesbische und heterosexuelle Paare, die sich unterhalten und Kinder mit Luftballons in der Hand, die über die verschiedenen Kostüme lachen. Eine menschliche Blumenvase kommt an uns vorbeigelaufen und fängt an zu kreischen als ein Mann eine Gießkanne in die Hand nimmt um sie zu gießen. Ich muss unwillkürlich lachen.

 

Man könnte meinen, ganz Köln ist auf den Straßen, das Publikum ist so vielfältig, wie ich es noch selten irgendwo gesehen habe. Mit einem solchen Straßenfest hätte ich nie gerechnet. Ich hatte mir eine kleine Parade und ein paar Stände in der Innenstadt vorgestellt. Und nie hätte ich gedacht, dass es tatsächlich so viele Lesben und Schwule gibt.

 

 

Die Parade setzt sich schließlich in Bewegung. Wir haben Plätze mit dem anyway getauscht, weil wir so gut Stimmung machen. Jetzt sind wir ganz vorne. Wir laufen und tanzen durch die Düsseldorfer Innenstadt. Zwischendurch setzen wir uns auf die Straße, nur um im nächsten Moment alle gleichzeitig aufzuspringen und Humba Humba Humba Puls ole zu singen. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Es gibt viele Journalisten, die Fotos machen und ich bekomme kurz ein bisschen Angst, weil ich doch nicht auf der Titelseite irgendeiner Lokalzeitung erscheinen will, aber ich verschwende keinen längeren Gedanken daran. Wenn das wirklich passieren sollte, dann ist es eben Schicksal.    

Ein wenig vor Schluss der Parade steigen wir aus um uns noch den Teil angucken zu können, der hinter uns kommt. Wir sind ganz schön k.o. und setzten uns erst mal im Hintergrund auf die Wiese um uns auszuruhen. Zwei von uns haben Muffins gebacken und ich merke, dass ich ganz schön hungrig bin. Ein Mann verteilt Rosen und ich bekomme auch eine geschenkt.

 Nachdem wir uns noch ein wenig die Parade angeguckt haben, machen wir uns auf den Weg zum Straßenfest um etwas zu essen zu kaufen. Die Innenstadt ist rappelvoll und man kommt kaum vorwärts ohne sich zu verlieren. Erst recht dann nicht, wenn jeder an einem anderen Stand halten und gucken will. Also beschließen wir, uns aufzuteilen und uns wenig später auf den Rheinwiesen wiederzutreffen.

Eine Freundin und ich kaufen uns jede ein Regenbogenfarbenes Armband. Wir binden es uns gegenseitig um. Hey, du hast mein Armband viel zu locker gebunden, das ist grad fast abgefallen, sagt sie fünf Minuten später. Erschrocken schaue ich auf meinen Arm und stelle fest, dass meins schon nicht mehr da ist. Egal, denke ich und lache,  zumindest hab ich es fünf Minuten lang besessen.

Am Rhein sitzen wir noch eine Zeit lang und reden. Dann wollen einige zum Bahnhof und zurück nach Düsseldorf, manche bleiben noch am Rhein sitzen und ich gehe mit zwei Mädels und einem Jungen noch einmal aufs Straßenfest. Wir schlendern herum, gucken uns die Stände an und sammeln Aufkleber mit coolen Sprüchen. Ich bekomme viel aufgeklebt.

 Schließlich machen auch wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Im Zug merke ich wie müde ich bin. Aber ich bin glücklich und ich kann nur eins denken. Ich bin eine Lesbe, ich verlieb mich nur in Frauen! Juhu, das ist cool! Ich will überhaupt nicht hetero sein, warum auch, das ist doch viel zu langweilig. Endlich brauche ich nichts mehr zu verstecken und ich bin stolz darauf, so zu sein, wie ich bin und das ist ein echt gutes Gefühl.       

Katrin, 18 Jahre       

PULS Düsseldorf - Meine Geschichte

PULS - das war der Name den wir im Endeffekt tragen sollten. Was dieser Name eines Tages für mich bedeuten und symbolisieren sollte war mir, als ich vor ca. 4 Montan den bisher schwersten und wahrscheinlich mutigsten Schritt meines Lebens ging, vollkommen unklar. War ich mir doch seit längerem meiner Sexualität bewusst, dachte ich bisher nie daran diese auch im Alltag auszuleben. Wörter wie "Outing" oder "out" waren weit weg, eigentlich total unwirklich.

Eines Freitagabends saß ich dann allerdings vor meinem Laptop und dachte: "Eigentlich doch schade! Schaust du mal nach ob und was es so in der Region gibt!". Nach längerer Suche und mehreren 40+Kreisen (nicht abwertend gemeint) drohte ich fast die Hoffnung aufzugeben bis ich durch Zufall auf die Seite der Schwul-Lesbischen-Jugendarbeit-Düsseldorf, kurz SLJD, stieß. Es wirkte alles sehr einladend und ich dachte mir, dass es doch definitiv ein Versuch wert sei. So weit, so gut!

Klickte ich dann das Kontaktformular an ging es nun daran einen ersten Kontakt herzustellen. Leichter gesagt als getan denn ließ ich ganz außer Acht, dass ich gerade den Schritt in ein neues Leben, hin zu meinem wahren Ich wagen würde. Mit zittrigen und verschwitzten Fingern gelang es mir schließlich nach langem Zögern den Send-Button zu klicken. Das war’s! Mein allererstes Outing - ab jetzt wird vieles anders. Und das wurde es...

Eine Woche voller Aufregung, Neugier und nervösem Zittern später kam dann der Tag. Mein erster Mädelsabend im zeTT (Jugendinformationszentrum in D-Dorf und momentaner Aufenthaltsort der PULS-Mädelsgruppe), mein erster Kontakt zur „Szene“.

Teils überrascht von den Leuten die ich kennenlernte wurde ich herzlich empfangen und am Ende des Abends war mir dann klar, dass das nicht mein letzter Besuch hier gewesen sein sollte. Als nächstes standen die Weihnachtsferien an und es würde einige Wochen dauern bis ich alle wiedersehe. Ich hatte viel Zeit nachzudenken und ich nutzte die Zeit um mir bewusst zu werden was ich will und welchen Weg ich gehen möchte. Kurz nach dem Jahreswechsel standen dann die nächsten Aktionen mit den Mädels an. Eislaufen! Das war ein Spaß :) Ich wachte am nächsten Morgen mit mittelschweren Schmerzen im oberen Gesäßbereich auf - hatte das Eis ein wenig zu häufig geknutscht – und beschloss prompt mich bei meinen Eltern zu outen. Bedenkt man die Tatsache, dass ich zu diesem Zeitpunkt erst drei Wochen das Jugendzentrum besuchte, war die ganze Aktion schon ziemlich zügig und spontan.

Nachdem die Querelen des ersten richtigen Outings hinter mir lagen und mit den Eltern grob geklärt war wo genau ich mich wöchentlich zu bestimmten Zeiten aufhalte und was ich dort tue konnte nun für mich die Zeit im bisher noch namenlosen Jugendzentrum richtig losgehen. Nach einem kurz auf mein Outing folgenden Outing-Kuchen sowie einer Glückwunschkarte unserer "PULS-Mami Jana" folgten viele schöne und spannende Nachmittage und Wochenenden im zeTT oder mit den Mädels von denen viele mit der Zeit zu wirklich guten Freunden wurden.

Wir verbrachten unsere Tage in entspannten und lustigen Gesprächen mit reichlich Tee und Kuchen oder bei chilligen Filmabend mit Bergen von Popcorn. Wir trafen uns gemeinsam um diverse Partys unsicher zu machen und schafften es trotz mancher durchzechter Nächte sogar noch mehr oder wenig Produktives in diversen wochenendlichen Workshops zur Namens- und Logofindung zu leisten - waren die Augen teilweise doch kaum noch erkennbar. Es wurde gemeinsam Karneval gefeiert und Aktionen für den folgenden Sommer geplant. Es standen auch interessante Termine wie Lesungen in anderen Jule-NRW-Jugendzentren oder auch die gemeinsame Besichtigung der neuen Räume an. Gerade die neuen Räume stießen auf allseitige Begeisterung und natürlich kann keiner den Startschuss zum Regale aufbauen nach dem geplanten, gemeinsamen IKEA-Shoppingtag sowie die Streichaktion mehr abwarten. Kanutouren, deutschlandweite CSD-Besuche, Partys und andere regionale Veranstaltungen stehen auf dem Programm – natürlich nicht zu vergessen die große Puls-Eröffnungsparty mit allem und jedem der sich in Düsseldorf für unsere Angelegenheiten engagiert. Viele von den Mädels besuchen das PULS regelmäßig um eine Gemeinschaft, einen etwas anderen Freundeskreis zu haben. Manche haben die für einen wahrscheinlich perfekten Sommer nötigen Frühlingsgefühle gefunden. Viele haben wahrscheinlich Freunde fürs Leben gefunden.

Im PULS habe ich persönlich genau das gefunden - Ansprechpartner, eine Gemeinschaft und Freunde. Ohne eine Einrichtung wie diese würde ich heute sehr wahrscheinlich immer noch ein großen Teil meines Ichs verleugnen oder unterdrücken. Ich wage zu behaupten, dass der folgende Sommer, das folgende Jahr eines der schönsten und aufregendsten meines bisherigen Lebens wird und freue mich einfach nur riesig auf das, was mich im und um das PULS herum erwarten wird, ist es doch für mich zu einem Stück „zu Hause“ geworden…

Mitmachen lohnt sich also! :)